Rückblick Filmabend

Filmabend in der Autodidaktischen Initiative (ADI) am 16. März 2018
Staatliche Repression und die Tierrechtsbewegung

Nach einer sehr leckeren Küfa und ein paar technischen Problemen gab es eine kurze Erklärung, wer wir sind und warum wir den Filmabend organisiert haben und dann startete der Film. In der Dokumentation „Wir sind alle 278a“ werden fünf Aktivist_innen der Basisgruppe Tierrechte (BAT) aus Wien begleitet, die im Mai 2008 gemeinsam mit anderen Tierrechtsaktivist_innen vom Verein gegen Tierfabriken (VGT), Vier Pfoten und der Veganen Gesellschaft in Österreich überraschend verhaftet wurden. Insgesamt zehn Aktivist_innen saßen daraufhin über drei Monate in Untersuchungshaft. Ihnen wurde die Bildung einer kriminellen Organisation vorgeworfen (§278ff) und weitere Einzeldelikte, wie Erpressung und Sachbeschädigung im Rahmen einer Antipelzkampagne bei dem Unternehmen Kleider Bauer. Es stellte sich heraus, dass in den vorausgegangenen Monaten ihre Telefone abgehört wurden, Autos mit Peilsendern versehen, Wohnungseingänge gefilmt wurden und so weiter, ohne dass Strafbestände festgestellt werden konnten. Nichtsdestotrotz kam es zu Hausdurchsuchungen und Verhaftungen. Nach drei Monaten wurden die Inhaftierten überraschend aus der U-Haft entlassen und mussten daraufhin fast ein Jahr auf ihren Prozess warten, der in den Medien als „Tierschutzprozess“ bezeichnet wurde. In dieser Zeit arbeiteten die Angeklagten alle Akten durch, die für den Fall angelegt worden waren. In dem fast 100 Tage dauernden Prozess zeigte sich, dass die Richterin mit dem Staatsanwalt zusammen arbeitete und gefühlt das Urteil schon feststand. Nur durch einen Zufall entdeckten die Angeklagten einen Hinweis in den Akten, die darauf schließen liesen, dass es eine verdeckte Ermittlerin in der Tierrechtsszene gegeben haben musste. Die Ermittlerin „Danielle Durand“ wurde daraufhin eingeladen und sagte aus, dass sie in den 1,5 Jahren, in denen sie beim Verein gegen Tierfabriken (VGT) aktiv war, nichts Kriminelles feststellen konnte. Das Gericht musste spätestens jetzt alle Angeklagten freisprechen, da in dem monatelangen Prozess kein einziger Beweis zur Bildung einer kriminellen Vereinigung oder einer der anderen Anklagepunkte erbracht worden war. Die angeklagten Tierrechtsaktivist_innen und ihr Umfeld hatten sich drei Jahre lang in erster Linie mit den Vorwürfen auseinander gesetzt, Soliaktionen organisiert, Medienarbeit geleistet und ihr Leben ganz danach ausgerichtet. Für die Haft haben sie einen finanzielle Entschädigung erhalten, für die Prozesstage oder Anwaltskosten jedoch nicht.
Es waren zwischen 15 und 20 Menschen in der ADI um den Film anzuschauen. Während des Films gingen Informationen zu aktuell Inhaftierten herum und eine Anleitung, wie man Gefangenen am besten schreiben sollte und was zu beachten ist. Wer gerne etwas schreiben wollte, konnte sich vom Stapel eine Solipostkarte nehmen und wir sammelten im Anschluss die Karten um sie zu verschicken. Nach dem Film wurden noch ein paar Fragen geklärt, dann bauten wir ab. Staatliche Repression zielt darauf ab, politische und soziale Bewegungen mundtot zu machen, sie vom Handeln abzuhalten. Sie agiert mit den Mitteln der Abschreckung, Vorbeugung, Konfrontation und Vergeltung. Es ist deshalb wichtig, dass wir unsere Rechte kennen und uns auf die verschiedenen Repressionsmöglichkeiten vorbereiten und einen Umgang mit den Repressionsorganen finden.
Für Gefangene ist es enorm wichtig Solidarität von außen zu spüren, beispielsweise in Form von Briefen und Postkarten oder Soliaktionen um Geld zu sammeln. Der Filmabend diente auch dazu, auf aktuelle Gefangene hinzuweisen, die unsere Unterstützung brauchen, da sie sich für eine Veränderung der Zustände zum Besseren eingesetzt hatten und von Repression betroffen sind. Einer von ihnen ist Sven van Hasselt, der im Juli 2012 verhaftet und vor ein paar Wochen aufgrund von „conspiracy to blackmail“ zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Er beteiligte sich wie viele andere Tierrechtsaktivist_innen an der jahrelangen und internationalen SHAC -Kampagne (Stop Huntington Animal Cruelty) gegen Europas größtes Tierversuchslabor HLS (Huntington Life Sciences, heute Envigo). Die SHAC-Kampagne dauerte 15 Jahre und führte zu einer noch nicht dagewesenen Repressionswelle gegen Tierrechtsaktivist_innen in England und den USA. Dutzende Aktivist_innen wurden zu jahrelangen Haftstrafen verurteilt und neue Gesetze explizit gegen Tierrechtsaktivismus wurden erlassen. Während der Kampagne wurden auch Zulieferbetriebe, Banken und andere Unterstützer_innen von HLS angegriffen, sodass das britische Tierversuchslabor kurz vor dem Bankrott stand und die britische Regierung finanziell unterstützend eingriff. Die Repressionswelle führte dann schlussendlich zu einem Ende der Kampagne, ohne dass das Unternehmen geschlossen wurde. Viele Taktiken, die in der Tierrechtsbewegung genutzt werden, sind durch die SHAC-Kampagne inspiriert und ein wichtiger Teil der Geschichte der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung.
Für eine soziale Bewegung ist es unerlässlich, dass sie „ihre“ Gefangenen unterstützt und ihnen zeigt, dass sie nicht alleine sind und draußen andere für die gleichen Ideale und Utopien weiterkämpfen.
Für die Befreiung von Mensch und Tier!

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